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Die Österreicher sind brave Sammler von Elektroaltgeräten. Dennoch wird jede zweite Altbatterie nicht fachgerecht entsorgt.
Die Österreicher sind brave Sammler von Elektroaltgeräten. Dennoch wird jede zweite Altbatterie nicht fachgerecht entsorgt.
© Elektrojournal

Zuckerbrot und Peitsche bei der EAK-Pressekonferenz

19.09.2019

Österreich verfügt über das dichteste Netz von Sammelstellen in Europa. Die Elektroaltgeräte-Koordinierungsstelle zog Bilanz und vermeldete eine Steigerungsquote bei den Sammlungen von ausgedienten E-Geräten um 1,25 Prozent, bei den Altbatterien um sieben Prozent. Grund zum Jubeln ist das für die EAK aber nicht. Auch Wolfgang Krejcik wünscht sich in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender der EAK mehr Umweltbewusstein von der Bevölkerung.

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„Mit der Sammlung von rund 116.500 Tonnen ausgedienter Elektrogeräte und 2.270 Tonnen leerer beziehungsweise kaputter Gerätebatterien im vergangenen Jahr hat Österreich die von der EU festgelegten Sammelquoten erfüllt“, erläuterte Roland Ferth, der Abteilungsleiter für Abfallwirtschaftsplanung, Abfallbehandlung und Altlastensanierung im Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) die Zahlen von 2018 im Zuge einer Pressekonferenz in Wien mit. „Im Vergleich zu 2017 gab es 2018 bei den Sammelmassen der Elektroaltgeräte aus privaten Haushalten einen Zuwachs von 1,25 Prozent, bei den Gerätealtbatterien ist im Vergleich zum Jahr davor eine Steigerung von 7 Prozent zu verzeichnen, berichtete auch Elisabeth Giehser, Geschäftsführerin der Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle (EAK).

Trotz gestiegener Sammelmenge ist die Quote gesunken

Die von der EU vorgeschriebene Sammelquote von 45 Prozent wurde zwar weit übertroffen und lag im vergangenen Jahr bei 58 Prozent. Trotz dieser Steigerungen ist die Sammelquote jedoch gesunken. Giehser erklärt, weshalb: „Der Anstieg der in den Verkehr gebrachten Elektrogeräte ist in den vorangegangenen Jahren gestiegen". Trotzdem Österreich im Vergleich zur EU bei der Sammlung von Elektroaltgeräten und Batterien eine Vorreiterrolle einnähme, gäbe es Verbesserungsbedarf. „Es kann nicht sein, dass jede zweite Altbatterie in Österreich nicht fachgerecht entsorgt wird. Besonders Lithium-Akkus über Restmüll zu entsorgen, ist eine Katastrophe“, so Ferth. Höhere Sammelquoten seien am Land als in der Stadt zu verzeichnen. Giehser sieht den Grund dafür in der Anonymität. „Da wandert leichter eine Batterie in den Restmüll, wenn man nicht weiß, wo die nächste Sammelstelle ist. Am Land fahren die Leute sowieso regelmäßig mit dem Auto vorbei“, vermutet die EAK-Geschäftsführerin. In Vorarlberg leben österreichweit übrigens die bravesten Sammler.

Erhöhung der Quote auf 65 Prozent

Dass die Österreicher auch weiterhin fleißig ihre Altgeräte und Batterien sammeln und dabei noch besser werden, wird auch notwendig sein: Mit 2019 wird die Sammelquote von 45 auf 65 Prozent erhöht. „Leicht wird es nicht, das zu erreichen“, meinte Ferth. Giehser ergänzte: „Es wird auch bei den Batterien immer schwieriger, die Quote zu erreichen. Lithium-Ionen Batterien halten länger. Das ist natürlich positiv für die Umwelt, aber da sie dann erst später einer Verwertung zugeführt werden, ist das schlecht für die Quote“, führte sie aus. Noch immer wandern jedes Jahr 15- bis 20.000 Tonnen Altgeräte ins Ausland, informierte die EAK weiters.

Krejciks Statement

Wolfgang Krejcik, der in seiner Funktion als Aufsichtsrat der EAK anwesend war, kommentierte das Ergebnis folgendermaßen: „Ich bin stolz darauf, dass es uns in Österreich gelingt, mit diesem Thema innerhalb der EU zu punkten. Mir persönlich tut es in der Seele weh, wenn Fotos von Afrika gezeigt werden, wo man sieht wie die Menschen dort ihre Gesundheit gefährden. Der österreichische Handel gibt einen fast dreistelleigen Millionenbetrag für die Entsorgung der Geräte aus und hat es sich verdient, dass sie auch fachgerecht entsorgt werden.“ Gleichzeitig holt er aus: „Die Entsorgung ist auch eine Chance für den stationären Handel! Die Lieferung einer Waschmaschine oder auch eines großen TV-Gerätes ist ja auch eine Komfortfrage. Der Konsument will eine kostengünstige Lieferung, wenn’s geht, nicht nur bis zur Gehsteigkante sondern ins Wohnzimmer.“