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Spott und Hohn: Das „Kaufhaus Österreich“ mutiert zur Lachnummer

01.12.2020

Die mit viel politischem Tamtam angekündigte „nationale E-Commerce-Plattform“ entpuppt sich bereits nach einem Tag als veritabler Rohrkrepierer. User kritisieren, dass die Produktsuche genau gar nicht funktioniert und die neue Webseite höchstens die „multimediale Funktionalität eines Telefonbuchs“ hätte.

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Am Montag ging es online, das seit Juni gehypte Kaufhaus Österreich. Offiziell wurde ein halbes Jahr lang daran gearbeitet, die meiste Zeit davon aber anscheinend nur fürs umstrittene Selbstdarsteller-Foto von Digitalisierungsministerin Margarete Schramböck und Multifunktionär bzw. Wirtschaftskammerpräsidenten Harald Mahrer. Anders lässt es sich eigentlich nicht erklären, warum die – um 627.000 Euro sündteuer erstellte – Plattform so wenige Funktionen bietet – die dann noch nicht einmal funktionieren.

Eigentlich wurde das „Kaufhaus Österreich“ ja ins Leben gerufen, um Webshops österreichischer Händler leichter auffindbar zu machen. Dass man nicht direkt über die Plattform bestellen kann, sondern nur an die jeweiligen Webshops weitergeleitet wird, war zwar von Anfang an klar, aber selbst diese Umsetzung ist gewaltig in die sprichwörtliche Hose gegangen. Aktuell gewinnt man nämlich nur den Eindruck, dass man dort nur in einem Telefonbuch blättert – denn die Suche nach konkreten Produkten funktioniert schlecht bis überhaupt nicht.

Tatsächlich liefert die Suchfunktion bei einem schnellen Test ein absurdes und somit wertloses Ergebnis (siehe Screenshot). Will man ein TV-Gerät in Wien kaufen, ist unter den ersten Vorschlägen ein Hundetrainer in Baden sowie eine Mode-Boutique in Wiener Neustadt angeführt. Positiv: Auch das Weingut Cobenzl ist in den Ergebnissen angeführt, womit man sich dann wenigstens den Such-Frust von der Leber saufen kann. Noch lustiger wird übrigens die Suche nach einen Geschirrspüler: hier scheinen sogleich ein Ansichtskartenshop, sowie eine Naturkosmetik-Manufaktur auf. Das Geschirr darf man also weiterhin mit der Hand waschen. Einen begehrten Fön gibt’s dafür anscheinend bei/in einer Ferienwohnung.

Sogar Amazon ist im Kaufhaus Österreich vertreten

Den sprichwörtlichen Vogel abschießen kann man allerdings mit der Suche nach „Kinderdirndl“. Hier findet man zwar ausnahmsweise wirklich die passenden Produkte – dazu wird man allerdings auf den Amazon-Marktplatz umgeleitet. Was insofern beachtlich ist, da Schramböck bei der Präsentation noch meinte, dass sich die Plattform an österreichische Betriebe richte, „…die nicht mit Amazon zusammenarbeiten wollen oder können.“

User verweisen zudem darauf, dass Google Maps und andere Anbieter schon jetzt weitaus besser funktionieren würden. Auch E-Commerce-Experten stellen der Plattform kein gutes Zeugnis aus und verweisen dabei auf Libro anno 1996. Die Handelskette sorgte damals für Furore im Web und ging kurze Zeit später Pleite.

Panik bei Amazon?

Wenigstens sorgen Schramböck und Mahrer so für Belustigung inmitten des Lockdown, heißt es beim Standard. Und auch Patricia Huber von Kontrast.at vermutet, dass das Kaufhaus Österreich in Wahrheit nur ein Satireprojekt zur allgemeinen Hebung der Laune sein könne. „Die Leute wollten wieder einmal lachen – koste es was es wolle.“

Wenn das nur keine bösen Unterstellungen sind: Unbestätigten Gerüchten zufolge soll Amazon-Chef Jeff Bezos nämlich bereits eine Notfalls-Taskforce gebildet haben, um dem neuen Konkurrenten aus Österreich auf den Zahn zu fühlen und von ihm zu lernen … wie man es halt nicht macht.

Lesetipp: Wenn's nicht so traurig wäre, könnte man ja fast darüber lachen. So wie es unserer Kollegen bei der Tagespresse perfekt auf den Punkt bringen.

Autor: 
Christian Lanner