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Der KSV1870 zieht Bilanz

11.12.2019

Mehr Privatkonkurse und eine Stagnation der Unternehmerkonkurse – so sieht die Bilanz des KSV 1870 aus. Der Gläubigerverband liefert auch einen Ausblick auf kommende Jahr.

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Mit rund 5.018 insolventen Unternehmen liegt das heurige Jahr nur minimal über dem Vorjahr. Die eröffneten Verfahren verzeichneten ein Plus von 1,4 Prozent auf 3.026 Fälle, während die mangels Vermögens nicht eröffneten Verfahren auf 1.992 geringfügig gesunken sind. Insgesamt waren allerdings mit 17.000 Dienstnehmern deutlich weniger Menschen von der Insolvenz ihres Arbeitgebers betroffen und auch die Schulden sind um rund 18 Prozent gesunken. Im Langfristvergleich hat Österreich damit wenig Insolvenzen bezogen auf die Zahl der Unternehmen. Allerdings verzeichnet 2019 mit nahezu 30 Großinsolvenzen (über 10 Mio. Passiva) so etwas wie einen kleinen Rekord.

Die Bundesländer im Detail

Keine Bewegung gab es in Wien, Oberösterreich und Kärnten; Zuwächse im Burgenland, Vorarlberg und Tirol, dagegen Rückgänge in Niederösterreich und der Steiermark. Eine besondere Signifikanz lässt sich aus diesem Bild vorerst nicht herauslesen. Insgesamt sind die Fälle ja viel kleiner geworden und darüber kann auch die hohe Zahl an Großpleiten nichts ändern. Deren Auswirkung sieht man gut an der Entwicklung der Passiva – denn die sinken auch in Bundesländern wie Wien, Oberösterreich und Kärnten mit unveränderten Insolvenzzahlen. Die Passiva werden sehr stark von Großpleiten getrieben, die sich der Planung genauso entziehen, wie einer Strukturanalyse. Industriestandorte wie Oberösterreich, Steiermark und Tirol, wie nicht zuletzt auch Wien, sind immer für Großinsolvenzen gut.

Branchenvergleich

Traditionsgemäß werden in der Analyse die stärksten drei Branchen nach Fällen und nach Passiva gereiht. Hier gibt es über die Jahre kaum Überraschungen, was einerseits mit der Eigenart der jeweiligen Unternehmen zu tun hat (Kapitalintensität), anderseits aber auch mit der Grundgesamtheit von Unternehmen einer Branche. Es überrascht nicht, wenn große Branchen auch mehr Insolvenzen beisteuern als kleine. Wenn also das Gastgewerbe mit immerhin 42.000 Betrieben (zahlenmäßig größte Branche in Österreich) unter den Top 3 der Branchen nach Insolvenzfällen firmiert, bedeutet das keineswegs, dass diese Branche besonders insolvenzgeneigt wäre. Das Gegenteil ist der Fall: die relative Insolvenzneigung (Insolvenzen bezogen auf Anzahl aller Betriebe) ist sogar deutlich unterdurchschnittlich.

Anders mag es mit der Bauwirtschaft aussehen: sie ist zwar mit etwa 27.000 Betrieben auch eine durchaus große Branche, belegt aber eigentlich immer in Sachen Insolvenzneigung und -anzahl Spitzenplätze. Die komplexeste und letztlich auch faszinierendste Branche nennt sich „unternehmensbezogene Dienstleistungen“ und darunter fallen alle Servicebetriebe, viel Liegenschaftsgeschäft und alle Holdingunternehmen. Daher darf es nicht wundern, dass diese Branche nicht selten zwei erste Plätze belegt, wie auch in 2019: sowohl die meisten Pleiten, wie auch die höchsten Verbindlichkeiten. Beunruhigen darf so etwas nicht.

Ausblick auf 2020

So bedeckt hatte sich das Wirtschaftsklima schon lange nicht mehr gezeigt. Sinkendes Wachstum, wohin man blickt und entsprechend vorsichtig nach unten revidierte Prognosen. Mit Sicherheit lässt sich aber sagen: 2020 wird schwieriger als 2019 werden und Absatzprobleme, wie etwa der Automobilindustrie, werden die heimischen Zulieferer nicht vollkommen verschonen können. Privater Konsum und Tourismus werden in 2020 eventuell Schwächen der Konjunktur auffangen müssen. Doch es ist nicht auszuschließen, dass dies fromme Wünsche bleiben, denn heimische Ersparnisse wurden schon nach 2008 „geplündert“ bzw. investiert und ausländische Touristen bleiben „über Nacht“ aus, wenn in ihren Heimatländern Schmalhans Küchenmeister wird. So kann die Prognose für 2020 nur ausgesprochen vorsichtig ausfallen: ein leichter Zuwachs im niedrigen einstelligen Prozentbereich ist daher durchaus zu erwarten.

Privatkonkurse

Im Jahr 2019 wurden 9.534 Privatkonkurse eröffnet. Dies ist zwar ein Rückgang gegenüber 2018 von rund fünf Prozent, doch zeigt die Analyse der KSV1870 Experten, dass, wenn man das Jahr 2018 um eine Anomalie bereinigt, darin in Wahrheit ein Wachstumswert liegt. Mit den eröffneten Verfahren werden rund 1.414 Mio. Euro einer Regulierung zugeführt. Durchgerechnet waren das an jedem Gerichtsarbeitstag 38 Konkurse mit Schulden von immerhin 148.000 Euro. 

Für 2020 heißt es: Die Wirtschaft trübt sich spürbar ein, die Zinsen bleiben jedoch niedrig. Nie war es also so leicht, seine Schulden zu bedienen, wie heutzutage. Daher rechnet der KSV1870 für 2020 mit keinem besonderen Zuwachs an Privatkonkursen. Vielmehr dürfte mit einem Insolvenzgeschehen auf etwa gleichem Niveau gerechnet werden.